Wespenarten im Garten – welche Wespe ist das eigentlich?

Man sitzt auf der Terrasse, eine Wespe landet kurz auf dem Tischrand, und irgendwie fragt man sich: Was ist das eigentlich genau? Alle Wespen sehen auf den ersten Blick ähnlich aus – gelb-schwarz gestreift, flink, irgendwie unangenehm nah. Aber es gibt in Deutschland rund 600 Wespenarten, und die Unterschiede zwischen ihnen sind größer als man denkt.

Im Garten begegnet man allerdings vor allem einem kleinen Kreis von Arten. Wer die kennt, kann Situationen viel besser einschätzen.

Die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe – die häufigsten Gäste

Diese beiden Arten sind für den Großteil aller Begegnungen im deutschen Garten verantwortlich. Sie sind so ähnlich, dass selbst geübte Beobachter sie manchmal verwechseln. Beide sind etwa 12 bis 15 Millimeter lang, lebhaft gelb-schwarz gemustert und bauen große Papiernester – aus Holzfasern, die sie mit Speichel zu einer papierartigen Masse verarbeiten.

Der verlässlichste Unterschied liegt im Gesichtsmuster: Die Deutsche Wespe hat auf dem Kopfschild (dem Bereich zwischen den Augen und dem Mundbereich) drei kleine schwarze Punkte. Bei der Gemeinen Wespe ist dieser Bereich anders strukturiert – der Unterschied ist mit etwas Übung erkennbar, braucht aber eine ruhige Hand und gute Lichtverhältnisse.

Für den Alltag im Garten spielt der Unterschied wenig Rolle. Beide Arten verhalten sich ähnlich, bauen ähnliche Nester und reagieren vergleichbar auf Störungen.

Die Sächsische Wespe – etwas kleiner, etwas ruhiger

Ebenfalls häufig, aber weniger präsent: die Sächsische Wespe. Sie ist etwas kleiner als die beiden oben genannten Arten und gilt als etwas weniger reizbar. Ihre Nester sind oft kleiner und häufiger in Bodennähe oder in Büschen zu finden.

Wer bemerkt, dass ein Nest vergleichsweise unauffällig ist und die Tiere wenig auf Annäherung reagieren, hat möglicherweise eine Sächsische Wespe vor sich – ohne das allerdings sicher sagen zu können.

Feldwespen – die schlanken mit den langen Beinen

Feldwespen sehen deutlich anders aus als die klassischen Wespen: Sie sind schlanker, haben einen auffällig schmalen Hinterleib und tragen beim Fliegen ihre langen Beine hängend nach hinten. Ihre Nester bestehen aus offenen Waben ohne Außenhülle – sie hängen frei, oft an Dachunterseiten, Zaunpfählen oder Fensterbänken.

Feldwespen gelten als vergleichsweise friedfertig. Sie stechen deutlich seltener als die sozialen Faltenwespen und reagieren meist erst auf direkten Kontakt oder massive Störungen. Wer ein flaches, offenes Wabennest ohne Papierhülle entdeckt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Feldwespenkolonie vor sich.

Solitäre Wespen – die Einzelgänger

Ein wenig beachtetes Thema: Die meisten Wespenarten in Deutschland sind Solitärwespen – also Einzelgänger, die kein Volk bilden. Sand-, Grab- und Wegwespen gehören dazu. Sie stechen so gut wie nie, weil sie kein Volk verteidigen müssen. Wer im Garten eine Wespe beobachtet, die einzeln und methodisch über den Boden läuft oder Löcher in sandigen Stellen gräbt, hat es höchstwahrscheinlich mit einer harmlosen Solitärwespe zu tun.

Diese Arten werden im Alltag kaum als Wespen wahrgenommen – obwohl sie einen Großteil der Artenvielfalt ausmachen.

Was bei der Bestimmung wirklich hilft

Wer eine Wespe genauer bestimmen möchte, achtet am besten auf vier Dinge: Größe, Körperform, Nestform und Verhalten. Eine dicke, langsame Wespe mit rundem Hinterleib und brummigem Flug ist fast immer eine Hornisse – kein Grund zur Panik, aber ein anderer Umgang ist angebracht. Dazu mehr in Hornisse oder Wespe – wie erkenne ich den Unterschied?

Wer nur wissen möchte, ob die Tiere am Tisch harmlos sind oder nicht: Kleine, schlanke Wespen die ruhig umherfliegen, sind meistens keine Bedrohung. Nervös und aggressiv werden Wespen vor allem dann, wenn ein Nest in der Nähe ist – nicht weil die Art besonders gefährlich wäre, sondern weil der Verteidigungsinstinkt greift.

Die Art zu kennen ist interessant. Im Alltag zählt aber meistens mehr, wie man sich verhält – nicht, welche Wespe man gerade vor sich hat.