Es fliegt etwas auf die Terrasse zu, das deutlich größer ist als die üblichen Gäste. Lauter auch, irgendwie massiver. Die erste Reaktion vieler Menschen: Panik. Die zweite Frage: Ist das eine Hornisse?
Die Verwechslung ist verständlich. Hornissen und Wespen gehören zur selben Familie, sehen sich von Weitem ähnlich und halten sich im Sommer in denselben Außenbereichen auf. Aber der Unterschied ist tatsächlich deutlich – wenn man weiß, worauf man achten soll.
Größe ist das offensichtlichste Merkmal
Eine Hornisse ist erheblich größer als eine Wespe. Arbeiterinnen der Hornisse (Vespa crabro, die einzige in Deutschland heimische Hornissenart) erreichen eine Körperlänge von 25 bis 35 Millimetern. Königinnen können noch etwas größer werden. Eine normale Wespe – Deutsche Wespe oder Gemeine Wespe – misst dagegen 12 bis 15 Millimeter.
Das klingt nach einem kleinen Unterschied in Zahlen, ist aber in der Wahrnehmung enorm. Wer eine Hornisse zum ersten Mal neben einer Wespe sieht, ist oft überrascht, wie groß der Größenunterschied tatsächlich wirkt.
Farbe und Musterung
Auch das Farbmuster unterscheidet sich. Wespen sind lebhaft gelb-schwarz gestreift, oft mit klaren, kontrastreichen Bändern. Hornissen haben ein deutlich wärmeres, ins Rotbraune gehendes Muster – der Kopf und der vordere Brustbereich sind oft rostbraun bis rötlich gefärbt, der Hinterleib zeigt ein weniger schrilles Gelb als bei Wespen.
Ein kurzer Blick auf den Kopfbereich reicht meist: Sieht es aus wie leuchtend gelb-schwarz mit scharfen Linien? Wespe. Wirkt es breiter, brauner, etwas gedrungener? Hornisse.
Fluggeräusch und Verhalten
Hornissen fliegen auch hörbar anders. Ihr Fluggeräusch ist tiefer und lauter – ein brummendes, fast bremsenähnliches Summen. Wer ein Insekt hört, bevor es zu sehen ist, und der Ton klingt ungewöhnlich tief und voluminös, sollte kurz innehalten.
Hornissen sind außerdem deutlich ruhiger und weniger auf menschliche Nahrung fixiert als die soziale Wespe im Hochsommer. Sie fliegen nicht zielstrebig auf den Kaffeetisch zu, sie jagen Insekten und sammeln Holzfasern. Wer eine große Wespe beobachtet, die an einem Holzzaun oder einem alten Baumstamm nagt und Fasern abträgt, hat sehr wahrscheinlich eine Hornisse vor sich.
Sind Hornissen gefährlicher als Wespen?
Das ist der verbreitetste Irrtum rund um das Thema – und er hält sich hartnäckig. Der alte Spruch, drei Hornissenstiche könnten ein Pferd töten, ist biologischer Unsinn. Hornissengift ist nicht stärker als Wespengift, im Gegenteil: Es ist etwas schwächer konzentriert.
Was stimmt: Ein Hornissenstich ist schmerzhafter, weil die Tiere mehr Gift injizieren können – einfach wegen ihrer Größe. Für Menschen ohne Insektengiftallergie ist er aber nicht gefährlicher als ein Wespenstich.
Hornissen stechen zudem seltener als Wespen. Sie sind weniger nervös, reagieren langsamer auf vermeintliche Bedrohungen und greifen kaum an, solange man sich ruhig verhält und ihr Nest nicht direkt stört.
Hornisse im Garten – was tun?
Hornissen sind in Deutschland streng geschützt, noch mehr als normale Wespen. Ihr Nest darf unter keinen Umständen eigenmächtig entfernt werden. Wer ein Hornissennest entdeckt, sollte einen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten – mindestens zwei bis drei Meter – und möglichst nicht mit starken Erschütterungen oder Licht in Nestnähe auf sich aufmerksam machen. Hornissen reagieren empfindlich auf Erschütterungen und helles Licht in der Nacht.
Ansonsten gilt dasselbe wie bei Wespen: Ruhig bleiben, nicht wedeln, nicht pusten. Ein ruhiger Mensch ist für eine Hornisse schlicht uninteressant.
Kurzcheck: Wespe oder Hornisse?
Groß, brummend, rotbraune Färbung am Kopf und Thorax – Hornisse. Klein bis mittelgroß, schrill gelb-schwarz, flink und auf Nahrungssuche – Wespe. Im Zweifel Abstand halten und beobachten. Wer die Wespenarten im Garten generell besser einordnen möchte, findet in Wespenarten im Garten – welche Wespe ist das eigentlich? einen guten Überblick.
