Das Wespennest hängt noch da. Der Sommer ist vorbei, die Temperaturen sinken, aber man traut sich nicht so recht, das Nest jetzt einfach abzunehmen. Sind wirklich keine Wespen mehr drin? Und wenn nicht – wann genau ist das Nest sicher?
Das sind berechtigte Fragen. Die Antworten sind etwas nuancierter als ein simples „im Oktober ist alles vorbei“.
Wie lange leben Wespenarbeiterinnen?
Eine einzelne Arbeiterin lebt im Hochsommer drei bis fünf Wochen. Das klingt kurz – und ist es auch. Das Wespenvolk erhält sich nicht dadurch, dass einzelne Tiere lang leben, sondern dadurch, dass ständig neue nachkommen, solange die Königin legt.
Wenn die Königin im Spätsommer aufhört, neue Arbeiterinnen-Eier zu legen, gibt es keinen Nachschub mehr. Die vorhandenen Arbeiterinnen leben ihre drei bis fünf Wochen weiter, dann sind sie schlicht abgelebt. Kein dramatisches Ereignis, kein plötzliches Verschwinden – ein allmähliches Leererwerden des Nests.
Wann ist das Nest tatsächlich verlassen?
Das hängt davon ab, wann die Königin die letzte Eiablage beendet hat, und das variiert je nach Art, Wetter und Jahr. Als grobe Orientierung:
Bei warmen Spätsommern können erste Anzeichen des Rückgangs bis Mitte September noch nicht sichtbar sein. Das Volk wirkt noch aktiv, auch wenn es bereits schrumpft.
Im Oktober ist der Großteil der Völker deutlich geschwächt. In der zweiten Oktoberhälfte sind viele Nester bereits verlassen oder enthalten nur noch sehr wenige, träge Tiere.
Spätestens mit den ersten anhaltenden Frostnächten – typischerweise zwischen Oktober und November – ist auch das letzte Volk erloschen.
Ein verlässlicher Hinweis: Wenn an einem kühlen Oktobertag keine Flugaktivität mehr am Nesteingang zu beobachten ist, ist das Nest mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits verlassen oder kurz davor.
Wie man prüft, ob das Nest wirklich leer ist
Einfach stehen bleiben und beobachten – an einem Vormittag mit Sonnenschein, wenn die Temperaturen über 12 Grad liegen. Wenn ein Volk noch aktiv ist, werden Ein- und Ausflüge am Flugloch zu sehen sein. Keine Bewegung nach mehreren Minuten Beobachtung ist ein gutes Zeichen.
Wer auf Nummer sicher gehen möchte, wartet bis Ende Oktober oder Anfang November, bevor er das Nest anfasst. Zu diesem Zeitpunkt ist das Risiko einer noch lebenden Besatzung in Deutschland praktisch null.
Was mit dem Nest nach der Saison passiert
Ein verlassenes Wespennest verwittert im Laufe des Winters. Es ist aus einer Art Papier gebaut – aus zerkautem Holz – und nimmt Feuchtigkeit auf, wird brüchig und zerfällt. Wer es entfernen möchte, kann das nach der Saison problemlos tun: einfach mit einem Beutel oder Karton überziehen, abnehmen, entsorgen. Keine Schutzausrüstung nötig, kein Risiko.
Wer es hängen lässt, schadet übrigens nichts – aber wie bereits erwähnt, kehren Wespen nicht in alte Nester zurück. Das leere Nest ist also weder Schutz noch Einladung für das nächste Jahr.
Eine Situation, die manchmal überrascht
Manche Menschen finden im Oktober noch einzelne, sehr langsame Wespen – manchmal im Haus, manchmal draußen auf dem Boden. Diese Tiere sind oft die letzten Überlebenden eines fast erloschenen Volks. Sie sind zu kalt und zu erschöpft, um zu stechen. Man kann sie mit einem Glas und einem Karton ins Freie bringen – das ist die unkomplizierteste Lösung.
Manchmal handelt es sich auch um eine begattete Jungkönigin auf der Suche nach einem Überwinterungsplatz. Sie sieht aus wie eine normale Wespe, ist aber etwas größer. Diese Tiere sind harmlos, solange man sie nicht einklemmt oder direkt bedrängt.
Der ruhige Abschluss einer Wespensaison
Ab dem Zeitpunkt, an dem das Nest sicher leer ist, kann man es ohne Stress entfernen – oder es einfach verwittern lassen. Was bleibt, ist ein leerer Papierbau, der im Laufe des Winters von selbst kleiner wird. Der Sommer ist vorbei, das Nest ist Geschichte. Bis zum nächsten Frühjahr, wenn irgendwo eine überwinternde Königin aufwacht und von vorn beginnt.
