Was ist die Lieblingsspeise einer Wespe – und warum das wichtig ist

Wespen essen Zucker. Das weiß jeder, der schon mal einen Grillabend mit ihnen geteilt hat. Aber das ist nur die halbe Geschichte – und der andere Teil erklärt einiges über das Verhalten dieser Tiere, das sonst merkwürdig oder unberechenbar wirkt.

Was Wespen wirklich fressen – und warum es sich im Laufe des Sommers ändert

Erwachsene Wespen ernähren sich fast ausschließlich von Zuckern. Nektar, reifes Obst, süße Getränke, Saft aus gärendem Fallobst – all das ist ihr eigentliches Futter. Ihr Körper verarbeitet Kohlenhydrate als Energiequelle für den Flug und die tägliche Aktivität.

Fleisch, Insekten und andere Eiweißquellen fressen die meisten Wespenarten dagegen nicht selbst. Sie jagen und töten andere Insekten – aber dann kauen sie diese zu einem Brei, der ausschließlich für die Larven im Nest bestimmt ist.

Das ist der entscheidende Punkt: Das Wespenvolk betreibt eine Art interne Arbeitsteilung zwischen zwei Ernährungssystemen. Die Larven liefern im Gegenzug einen zuckerhaltigen Sekret, der die Arbeiterinnen ernährt. Solange dieses System läuft – also solange Larven im Nest vorhanden sind – sind Wespen am Tisch eher auf Zucker aus als auf Fleisch.

Warum Wespen im August so anders wirken

Im August und September ändert sich dieses Gleichgewicht. Die Königin legt keine neuen Larven-Eier mehr. Das Larvensekret versiegt. Die Arbeiterinnen, die bis dahin durch das Nest versorgt wurden, müssen ihren Zucker jetzt vollständig außerhalb finden.

Das ist der Moment, in dem der Kaffeetisch und der Grill besonders attraktiv werden. Und es erklärt, warum Wespen im Spätsommer hartnäckiger und aggressiver wirken: Sie sind schlicht hungrig auf eine Ressource, die ihnen nicht mehr automatisch zur Verfügung steht.

Was das für den Alltag bedeutet

Wer versteht, dass eine Wespe im Juli vor allem auf der Suche nach Zucker ist und weniger auf Fleischsuche – trotz ihrer Jagdinstinkte – kann die Situation am Tisch besser einschätzen. Die Wespe, die ans Fleisch fliegt, sucht Eiweiß für die Larven. Die Wespe, die ins Glas will, sucht Energie für sich selbst.

Beide lassen sich durch die gleichen Maßnahmen fernhalten: Abdecken, Reste beseitigen, keine offenen Zuckerquellen auf dem Tisch stehen lassen.

Gären als besonderer Lockfaktor

Etwas, das häufig übersehen wird: Wespen reagieren besonders stark auf gärendes Material. Überreifes Obst, angegorener Fruchtsaft, Bier – all das enthält Ethanol und Zuckerstoffe in einer Kombination, die Wespen über weite Entfernungen anzieht. Das erklärt, warum Fallobst im Garten so ein starker Lockfaktor ist: Je länger es liegt, desto intensiver wird das Gärsignal.

Wer seinen Garten für Wespen weniger attraktiv machen möchte, räumt nicht nur Fallobst weg – er räumt es frühzeitig weg, bevor der Gärprozess einsetzt.

Eine kurze Anmerkung zu Wespen und Nektar

In der Hochsaison fliegen Wespen gelegentlich auch Blüten an – vor allem wenn dort Zucker in leicht zugänglicher Form vorhanden ist. Sie sind keine effizienten Bestäuber wie Bienen, leisten aber dennoch einen kleinen Beitrag zur Bestäubung. Im Spätsommer, wenn die Larvenversorgung weggefallen ist und die Tiere auf eigene Nahrungssuche angewiesen sind, wird dieser Blütenbesuch häufiger.

Es ist einer der weniger bekannten Aspekte des Wespenlebens – und ein Grund mehr, warum ein Garten mit Wespen ökologisch nicht nur ein Ärgernis ist. Was Wespen sonst noch zum Garten beitragen, steht in Wespen im Garten nützlich – was sie wirklich für den Garten tun.