Wespen in der Erde im Garten – Erdnest entdeckt, was tun?

Man mäht den Rasen, tritt zu nah an eine Bodenstelle – und plötzlich kommen Wespen aus der Erde. Oder man sieht, dass ein bestimmter Fleck auf dem Rasen auffällig viel Flugverkehr hat, und beim genaueren Hinsehen ist da ein kleines Loch im Boden, aus dem ununterbrochen Wespen ein- und ausfliegen.

Ein Erdwespennest. Und der erste Gedanke: Was jetzt?

Was ein Erdwespennest ist

Nicht alle Wespenarten bauen in die Luft. Einige Arten – allen voran die Gewöhnliche Erdwespe und die Sächsische Wespe, aber auch andere – nutzen bevorzugt Hohlräume im Boden. Alte Mauselöcher, natürliche Bodenspalten, aufgelassene Kaninchengänge oder einfach lockere Erde an geeigneter Stelle. Der Nesteingang ist ein kleines Loch, oft unauffällig und leicht zu übersehen – bis man direkt darüber steht.

Das eigentliche Nest befindet sich darunter, manchmal nur wenige Zentimeter, manchmal tiefer. Es besteht genauso aus Papierwaben wie Nester in der Luft, ist aber in die Erde eingebettet und damit vor Witterung und Erschütterungen besser geschützt.

Wie gefährlich ist ein Erdnest?

Grundsätzlich gilt dasselbe wie für alle Wespennester: Wer das Nest in Ruhe lässt, wird in Ruhe gelassen. Der entscheidende Unterschied zu Luftnestern ist allerdings: Ein Erdnest ist unsichtbarer, leichter zu übersehen – und damit leichter versehentlich zu stören.

Wer mit dem Rasenmäher drüber fährt, mit dem Spaten zusticht oder den Boden darunter erschüttert, provoziert eine sofortige Abwehrreaktion des gesamten Volks. Erdnester sind für diese Art der versehentlichen Störung anfälliger als Nester an Hauswänden oder in Bäumen.

Das Risiko ist also nicht höher – aber es kommt häufiger unerwartet.

Den Bereich absichern und markieren

Wer ein Erdnest entdeckt, sollte die Stelle zunächst markieren – mit einem Stecken, einem kleinen Zaun, einem umgekehrten Blumentopf im Abstand von einem Meter. So wird sichergestellt, dass niemand unbeabsichtigt zu nah herangeht, und dass beim nächsten Rasenmähen ein Bogen um die Stelle gemacht wird.

Ein Sicherheitsabstand von einem bis zwei Metern um den Eingang ist angemessen. Das Volk fliegt nicht aggressiv aus – es reagiert auf direkte Störungen am oder im Nest.

Was tun – Optionen im Überblick

Abwarten. Die beste Option, wenn die Lage es zulässt. Ein Erdnest erlischt wie jedes andere Wespennest im Herbst. Ab Oktober ist es verlassen, und der Eingang kann zu diesem Zeitpunkt einfach mit Erde aufgefüllt werden.

Wespenberater kontaktieren. Bei ungünstiger Lage – mitten im Spielbereich der Kinder, direkt am Hauptweg durch den Garten – lohnt sich der Anruf beim NABU oder einer lokalen Wespenberatung. Erdnester lassen sich unter Umständen umsetzen oder der Berater gibt eine realistische Einschätzung, ob ein Eingriff sinnvoll ist.

Den Eingang temporär abdecken. Manche Menschen legen einen schweren Stein oder eine Platte in einigem Abstand über den Eingang – nicht direkt drauf, sondern so, dass der Bereich für Kinder und Rasenmäher unzugänglich bleibt, aber die Wespen selbst noch ein- und ausfliegen können. Kein Eingriff ins Nest, nur eine pragmatische Absicherung des Umfelds.

Was man auf keinen Fall tun sollte

Wasser in den Eingang gießen. Das tötet Teile des Volks, aber nicht alle, und die überlebenden Tiere suchen sofort einen anderen Ausweg – was die Situation unkalkulierbar macht.

Den Eingang verschließen, ohne das Volk vorher zu beseitigen. Eingeschlossene Wespen graben sich neue Wege – unter Umständen ins Haus oder in andere unerwünschte Richtungen.

Der Unterschied zu solitären Erdbewohnern

Wichtiger Hinweis: Nicht jede Wespe, die aus dem Boden kommt, gehört zu einem sozialen Volk. Viele solitäre Wespenarten – Sandwespen, Grabwespen – legen ihre Brut ebenfalls in Erdlöchern ab. Diese Tiere sind einzeln, bilden kein Volk und stechen praktisch nie.

Wie erkennt man den Unterschied? Bei einem sozialen Volk gibt es regelmäßigen, dichten Flugverkehr an einem Eingang. Bei Solitärwespen sieht man einzelne Tiere, die ein Loch anfliegen und wieder verschwinden, ohne dass sich ein wirklicher Betrieb entwickelt.

Letzteres ist kein Problem und braucht keinen Eingriff. Wer sich unsicher ist, kann die Stelle ein paar Minuten beobachten – das reicht meist aus, um eine erste Einschätzung zu treffen. Mehr zur Unterscheidung verschiedener Wespenarten gibt es in Wespenarten im Garten – welche Wespe ist das eigentlich?