Wer den Sommer über beobachtet, wie sich Wespen verhalten, bemerkt irgendwann einen Unterschied. Im Juni und frühen Juli sind sie zwar präsent, aber oft noch vergleichsweise ruhig. Im August wird die Stimmung eine andere. Die Tiere wirken unruhiger, dringen hartnäckiger vor, und die Bereitschaft zu stechen scheint gestiegen.
Das ist kein Einbildung – es hat biologische Gründe.
Was im Wespenvolk passiert, wenn der Sommer voranschreitet
Ein Wespenvolk hat einen klaren Lebenszyklus. Im Frühjahr gründet eine einzelne Königin das Nest, zieht die ersten Arbeiterinnen auf, und das Volk wächst durch den Sommer hindurch. Die Arbeiterinnen haben in dieser Phase eine klare Aufgabe: Sie versorgen die Larven mit eiweißreicher Kost – meist zerkaute Insekten und kleine Fleischstückchen. Als Gegenleistung geben die Larven einen zuckerhaltigen Sekret ab, von dem sich die erwachsenen Wespen ernähren.
Dieses System funktioniert so lange, wie die Königin aktiv Eier legt und Larven im Nest vorhanden sind.
Ab etwa Ende Juli, spätestens im August, ändert sich das: Die Königin legt keine Arbeiterinnen-Eier mehr, sondern Eier für neue Königinnen und Männchen. Die letzten Larven werden ausgewachsen, und damit versiegt die Zuckerquelle aus dem Nest. Die Arbeiterinnen, die noch für Wochen leben, suchen nun außerhalb des Nestes nach Zuckernachschub.
August und September: Der Druck steigt
Dieser Übergang fällt zeitlich genau in den Hochsommer und frühen Herbst. Die Völker sind zu diesem Zeitpunkt auf ihrem Höchststand – tausende von Arbeiterinnen, alle aktiv, alle auf Nahrungssuche. Gleichzeitig ist die Larvenquelle im Nest versiegt.
Das Ergebnis: viele hungrige Wespen, alle draußen, alle auf der Suche nach Süßem. Und da Fallobst in dieser Zeit reichlich vorhanden ist, Grillabende häufig stattfinden und Menschen mit süßen Getränken auf der Terrasse sitzen – treffen beide Seiten zwangsläufig häufiger aufeinander.
Die erhöhte Aggressivität hat dabei weniger mit schlechter Laune zu tun, als mit dem veränderten physiologischen Zustand der Tiere. Wespen, die nicht mehr durch die Larvenpflege in ein Aufgabenmuster eingebunden sind, reagieren unstrukturierter und leichter reizbar auf äußere Störungen.
Welche Monate konkret betroffen sind
In Deutschland ist der August der Monat, in dem die Wespendichte und -aggressivität für die meisten Menschen am spürbarsten ist. Der September setzt das fort – oft mit noch weniger Wespen, aber häufig mit noch gereizteren.
Ab Oktober kühlt es sich ab. Wespen sind wechselwarm und werden bei niedrigen Temperaturen träge. Unter etwa zehn bis zwölf Grad sind sie kaum noch aktiv. Die meisten Völker erlöschen im Oktober, spätestens bei den ersten Frostnächten.
Was das für den Alltag im Garten bedeutet
Wer weiß, dass der August die kritische Phase ist, kann sich besser darauf einstellen. In diesem Zeitraum sind Schutzmaßnahmen am Tisch besonders wichtig: Getränke abdecken, Fallobst täglich beseitigen, keine offenen Speisen auf dem Tisch stehen lassen.
Das gilt vor allem beim Grillen – gegrilltes Fleisch zieht im August Wespen über weite Strecken an, weil die Tiere zu diesem Zeitpunkt besonders aktiv auf der Suche nach Eiweiß und Zucker sind. Mehr dazu im Artikel Grillen trotz Wespen – Fleisch abdecken, Getränke verschließen, endlich in Ruhe essen.
Ein Trost für alle, die bis Oktober warten können
Die aggressive Phase ist zeitlich begrenzt. Was sich im August aufbaut, löst sich im Oktober von selbst auf. Kein Eingriff, kein Mittel – einfach der Jahreszeit folgen.
Wer wissen möchte, ab wann Wespen tatsächlich aufhören zu fliegen und welche Temperaturen dafür nötig sind, findet das im Artikel Ab wann fliegen Wespen nicht mehr – und ab welcher Temperatur sterben sie?
