Ab wann fliegen Wespen nicht mehr – und ab welcher Temperatur sterben sie?

Irgendwann im Herbst ist der Spuk vorbei. Man sitzt draußen, die Luft ist kühler, und es kommt keine Wespe. Der Moment, in dem man das zum ersten Mal bewusst bemerkt, ist immer ein kleines Aufatmen – fast als hätte der Sommer offiziell seinen Abschluss gefunden.

Aber wann genau passiert das? Und was geht biologisch vor sich, während ein Wespenvolk erlischt?

Wespen sind wechselwarm – was das bedeutet

Wespen regulieren ihre Körpertemperatur nicht selbst, wie es Säugetiere tun. Sie sind auf die Umgebungstemperatur angewiesen. Das hat direkte Folgen für ihr Verhalten: Bei Wärme sind sie aktiv, flink und reaktionsfreudig. Bei Kälte werden sie träge, langsam – und irgendwann können sie sich nicht mehr fortbewegen.

Ab etwa 10 bis 12 Grad Celsius werden Wespen spürbar inaktiver. Wer an einem kühlen Herbstmorgen eine Wespe auf dem Fensterbrett sitzen sieht, die sich kaum bewegt, beobachtet genau das: ein Tier, das zu kalt ist, um zu fliegen.

Unterhalb von etwa 7 bis 8 Grad stellen die meisten Wespen den Flug vollständig ein.

Was mit dem Volk im Herbst passiert

Das Erlöschen eines Wespenvolks ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein Prozess, der sich über Wochen zieht. Er beginnt biologisch bereits im August, wenn die Königin aufhört, Arbeiterinnen-Eier zu legen.

Die letzten Arbeiterinnen leben noch einige Wochen, werden aber ohne Nachwuchs im Nest zu versorgen zunehmend ziellos. Sie suchen Nahrung, schwärmen aus, sterben ab. Das Nest schrumpft, nicht weil die Tiere abwandern, sondern weil sie sterben – von innen heraus.

Die einzigen Wespen, die den Winter überleben, sind begattete Jungköniginnen. Sie verlassen das Nest im Spätsommer, paaren sich, und suchen einen geschützten Überwinterungsplatz: Baumrinde, Holzspalten, morsches Holz, manchmal auch Hauswände. Dort verbringen sie den Winter in einer Art Kältestarre. Im Frühjahr, wenn die Temperaturen steigen, beginnen sie als einzige Überlebende des alten Volks, neue Nester zu gründen.

Wann im Jahr ist es wirklich vorbei?

Das hängt von der Region und dem Wetter ab, aber als Orientierung gilt:

Im Oktober werden Wespen in Deutschland deutlich seltener. Die meisten Völker sind zu diesem Zeitpunkt bereits stark dezimiert. Die Aktivität sinkt spürbar.

Spätestens mit den ersten Frostnächten – die in Deutschland meist im Oktober bis November fallen – sind die letzten aktiven Arbeiterinnen gestorben. Das Nest ist dann verlassen.

Es kann vereinzelt Ausnahmen geben: Sehr milde Herbste können die aktive Phase bis in den November verlängern. Und gelegentlich taucht noch im Oktober eine einzelne, langsame Wespe auf – oft eine der letzten Überlebenden eines fast erloschenen Volks.

Das verlassene Nest

Was bleibt, ist das Nest – grau, still, leer. Es ist jetzt kein schützenswerter Lebensraum mehr, denn keine Wespe bewohnt es noch. Es kann nach dem Winter problemlos entfernt werden, ohne jedes Risiko.

Wichtig zu wissen: Wespen kehren nicht in alte Nester zurück. Jede Königin baut im Frühjahr von Grund auf neu. Das leere Nest ist also kein Grund zur Sorge, aber auch kein Grund, es zu lassen, wenn es stört.

Wann das Nest als endgültig leer gilt und was danach zu tun ist, beschreibt der Artikel Wie lange leben Wespen im Herbst – und wann ist das Nest leer? etwas genauer.

Eine Perspektive, die selten erwähnt wird

Viele Menschen freuen sich schlicht darüber, wenn die Wespensaison vorbei ist. Das ist verständlich. Aber es lohnt sich kurz innezuhalten: Was sich da im Herbst still auflöst, war ein erstaunliches biologisches Konstrukt. Aus einer einzigen überwinterten Königin entstand über wenige Monate ein Volk von tausenden Tieren mit einem komplexen Sozialgefüge, einem selbst gebauten Nest und einer präzisen Arbeitsteilung – alles ohne Planung, nur durch Instinkt und Chemie.

Anfang November ist davon nichts mehr übrig.